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VAJ 3.5

Dieser Artikel ist im JavaMagazin 11/00 erschienen. Vielen Dank an den Software & Support Verlag für die Genehmigung zur Veröffentlichung auf dieser Webseite!

Viel Licht und ein wenig Schatten

VisualAge for Java 3.5: Java 2, Servlets und mehr

In der letzten Ausgabe berichten wir in einer Marktübersicht über die Entwicklungsumgebung IBM VisualAge for Java 3.02 [1]. Mittlerweile ist die Version 3.5 verfügbar. Was gibt’s Neues?

VisualAge for Java gibt es in drei Versionen, Entry, Professional und Enterprise. Die kostenlose Entry Edition ist bislang nur in der Version 3.0 verfügbar, überarbeitet wurden hingegen die “kleine” Professional und die Enterprise Edition, die vor allem für Serverentwickler, Entwicklerteams und Legacy-Integratoren geeignet ist. Allerdings wurde bislang nur die Windows-Variante aktualisiert, die Linux-Version soll im 4. Quartal folgen.

Allgemeine Neuerungen

Die auffälligste Veränderung ist die Unterstützung der Java 2 Plattform, genauer gesagt basiert VisualAge nun auf Java 1.2.2. Zwar gab es auch vorher eine Java 2 Early Adopters Version, die aber eine Preview darstellte und im Funktionsumfang eingeschränkt war. Nun stehen dem Entwickler alle Bibliotheken zur Verfügung und auch viele Codegeneratoren erzeugen Java-2-Code. Zur Aktualisierung älterer Anwendungen dient ein Migrationswizard, der zum Beispiel die Umsetzung der Swing-Packagenamen von com.sun.java.swing auf javax.swing durchführt.

Die viel geforderte Gesamtansicht des Quelltextes einer Klasse in einem Fenster ist nun enthalten (siehe Abbildung 1), Interfaces können nun auch in einer Vererbungshierarchie dargestellt werden und auch innere Klassen werden nun in allen Browsern berücksichtigt. Der Formatierer besitzt mehr Einstellmöglichkeiten als bisher und die Formatierung von Java-Quellcode aus anderen Editoren als VisualAge wird erhalten (z.B. Reihenfolge der Methoden, Einrückung usw.).

Professional Edition

Auch diese Version, die ursprünglich eher als Heimuservariante gedacht war, berücksichtigt nun immer mehr Funktionen für professionelle Softwareentwickler. Neben den schon in der Vorversion enthaltenen Data Access Beans mit einem Wizard für den Zugriff auf JDBC-Datenbanken gibt es nun auch einen für die Erstellung von Servlets. Letztere können – wie auch Java Server Pages – in der integrierten WebSphere Testumgebung ausprobiert werden. Diese hat für den Tester den Vorteil, dass er sich das Deployment auf einen Applicationserver spart und sowohl Servlets als auch JSPs mit dem integrierten Debugger beobachten und sogar zur Laufzeit ändern kann. Wem die eingebaute Servlet/JSP-Version (2.1 bzw. 1.0) von WebSphere nicht ausreicht, der kann auch die neuesten APIs aus dem Tomcat-Projekt importieren [2].

Auch die Professional Edition besitzt seit Anfang an eine Versionsverwaltung für Java-Quelltexte. Diese wurde nun so erweitert, dass auch Ressourcen wie HTML-Seiten, Bilder oder JSPs in die Versionierung einbezogen werden. Sie ist allerdings nicht teamfähig wie in der Enterprise Edition, sondern belässt den Code in einem Repository auf der lokalen Festplatte. Es gibt jedoch eine Schnittstelle für externe Konfigmanagementtools wie Clearcase, PVCS oder Visual Source Safe, die seit 3.5 optisch besser mit der internen Versionsverwaltung integriert ist. Sie sehen nun über Symbole, welche Klassen extern verwaltet werden und welchen Zustand sie momentan besitzen (z.B. checked out).

Enterprise Edition

Neben den schon erwähnten Neuerung steht bei der “großen Schwester”, der Enterprise Edition, vor allem XML im Vordergrund. Neben dem schon seit einiger Zeit separat verfügbaren XML-Parser gibt es einen XML Generator und das XMI Toolkit. Der Generator dient zur Erstellung von DTDs und kann Testdokumente generieren, mit denen DTD und Anwendungen geprüft werden können. Das XMI Toolkit kann XML-Objektmodelle aus Rational Rose einlesen und daraus direkt Javacode generieren. Damit entfällt der Umweg über Dateien und die gemischte Generierung – teils in Rose und teils in VisualAge.

Stark überarbeitet wurde die Entwicklungsumgebung für Enterprise JavaBeans und die WebSphere Testumgebung. Diese stellt nun einen (fast) kompletten J2EE-Testserver dar, mit dem unter einem Dach EJBs, Servlets und JSP getestet und debugged werden können. Allerdings basiert der EJB-Support immer noch auf Version 1.0 (aktuell ist 1.1, 2.0 ist im Public Draft). Neben Oracle und DB2 wird nun auch Sybase als Datenbank unterstützt.

Die meisten anderen Tools (Enterprise Access Builder für Host, SAP und Domino Builder, Persistence Builder...) erlebten eher einen Feinschliff als größere Änderungen.

Weniger ist mehr?

IBM führte in Version 3.5 eine Art Sortimentsbereinigung durch. Zunächst werden die Entwicklungsplattformen OS/2 und AIX nicht mehr unterstützt. Des weiteren wurden einige Enterprise Tools aus dem Programm entfernt, wie der Data und RMI Access Builder, der grafische Servlet Builder, der Native-Compiler für Windows (HPJC) und der Migrationswizard für ActiveX-Controls. Zwar waren dies ohnehin nicht gelungensten Tools der Vorversion, aber da IBM das Fallenlassen dieser Werkzeuge nicht vorher angekündigt hatte, wurden viele professionelle Anwender eiskalt erwischt. Zudem wurde die Stimmung unter den IBM-Kunden durch die Ankündigung eines Upgradepreises von über 3.000 DM nicht eben verbessert, nachdem auf den amerikanischen FAQ-Seiten [3] zunächst ein kostenloses Upgrade versprochen wurde, diese Ankündigung dann aber kurzfristig wieder rückgängig gemacht wurde.

Fazit

IBM ist mit Version 3.5 ein guter Wurf gelungen. Die Entwicklungsumgebung ist rund und unterstützt alle wichtigen Java-APIs, wenn auch manchmal nicht in der aktuellen Variante. Abhilfe ist für Version 4.0 versprochen, die Ende dieses oder Anfang nächsten Jahres erscheinen soll. Wenn IBM die in den Newsgroups berichteten Instabilitäten behebt, ist VisualAge eine der besten Java-IDEs überhaupt, sowohl für die Client-Entwicklung als auch besonders für die Server-Programmierung und Legacy-Integration.

 

 

Literatur

 

[1] JavaMagazin 10/2000, S.36: Entwicklungswerkzeuge

 

[2] Download für Subscriber: http://www.software.ibm.com/vadd/

 

[3] VisualAge for Java 3.5 FAQ: http://www.software.ibm.com/ad/vajava/vaj35faq.html

 

[4] IBM Produktübersicht: http://www.software.ibm.com/ad/vajava/vaj35.html

 

© 2006 Hawlitzek IT-Consulting GmbH,
Marketing&Design Kirsten Literski-Hawlitzek

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